Der Renntrucker Jochen Hahn aus dem idyllischen Altensteig (Kreis Calw) ist einer der Stars der Szene und amtierender Vize-Europameiste. Er war der erfolgreichste Motorsportler des ADAC Württemberg in 2017 und trotzdem ist der Renntrucksport hierzulande weniger bekannt als die Formel-1.

Jochen Hahn hat mit Lewis Hamilton so wenig gemein wie eine Schwarzwälder Kirschtorte mit einem apple pie. Hahn baut seine Renntrucks selbst. Sogar die Konkurrenten kaufen bei ihm ein. Denn sie wissen, dass der 43-Jährige ihr Fahrzeug mit derselben Sorgfalt und demselben Knowhow fertigt. Hahn hat von den anderen Fahrern auch schon den Fairnesspreis bekommen. Trotzdem fährt der Schwarzwälder auf den Strecken in Spanien, Frankreich oder Deutschland keinen Kuschelkurs. „Im Rennen geht es zur Sache. Aber abends sitzen wir gemeinsam im Fahrerlager und lachen.“ Vorausgesetzt es bleibt Zeit an einem solchen Wochenende mit vier Rennen an zwei Tagen, wenn der Truck angeschlagen zurückkommt und der Austausch der Kunststoffstoß-Stange an der Front zu den kleineren Reparaturen zählt.

Der 43-jährige Jochen Hahn ist einer der Stars der Szene und baut seine Renntrucks selbst. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)

Der 43-jährige Jochen Hahn ist einer der Stars der Szene und baut seine Renntrucks selbst. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)

Viele Ersatzteile hat Hahn in vierfacher Ausführung dabei. Drei Mechaniker sind das Minimum, wenn die Rennsport-Reisegruppe aus dem Schwarzwald in die große weite Welt aufbricht. Manchmal ist das Hahn Racing Team mit bis zu 15 Leuten vor Ort. Bis dato gibt es nicht mal eine Nachwuchsklasse bei den Schwergewichten. Hahn möchte das ändern und eine Junior-Szene aufbauen. „Truck-light, mit weniger Budget. Das wär’s.“ Lukas, 20-jähriger Sohn des vierfachen Europameisters, steht in den Startlöchern. Er wäre die dritte Generation Hahn im Truckzirkus.

Jochen Hahn ist viermaliger Titelträger. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)

Jochen Hahn ist viermaliger Titelträger. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)

Ein Renntruck hat mit einem Serien-Lkw letztlich nichts gemein. Allein die Optik erinnert noch an einen Brummi von der Straße. „Wir bauen aus lauter einzelnen Komponenten und machen die volle Chassis-Entwicklung. Das Fahrzeug wird wie ein Puzzle zusammengefügt.“ Entwicklungen und Entdeckungen aus dem Hause Hahn schlagen aber sehr wohl auf die Serienfertigung durch: Einmal habe ein Hersteller Millionen eingespart, weil Hahns Team frühzeitig Probleme beim Motor erkannte. Die Rennserie ist eine Art Testlauf und Versuchslabor für die Straße – vor allem im Bereich Gewichtsoptimierung. Auch neue Bremsen haben ihre Feuerprobe im Renneinsatz. „Wir können Bauteile an einem einzigen Tag mit 100.000 Kilometern belasten.“ Spätestens jetzt leuchtet ein, warum Hahn bei jedem Rennen das ganz große Besteck und so viele Ersatzteile dabei haben muss …

1.100 PS-stark und fünf Tonnen schwer sind die Trucks. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)

1.100 PS-stark und fünf Tonnen schwer sind die Trucks. (Foto: Andre & Wolfgang Bartscher)