Wer Familie hat und mit dem Auto in den Urlaub fährt, packt den Kofferraum voll. Da darf ja nichts fehlen, was man in zwei Wochen an der Adria oder beim Wandern in den Bergen vermissen könnte. Wenn Familie Schmitt aus dem württembergischen Creglingen auf Reisen geht, sieht die Sache anders aus. Der letzte große Trip mit den beiden Kindern, die heute sechs und drei Jahre alt sind, ging einmal quer durch Südamerika und hat zweieinhalb Jahre gedauert. Im September brechen die Schmitts wieder auf. Diesmal steht die Seidenstraße auf dem Programm. Mindestens ein Jahr lang wollen die vier unterwegs sein.

Familie Schmitt plant schon das nächste Abenteuer (v.l.): Thorben, Romy, Levi und Michaela. (Foto: Schmitt)

„Wie bereitet man sich auf so eine Reise vor?“ Michaela Schmitt wiederholt die Frage, um ein bisschen mehr Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. „Es gibt so viel zu erledigen. Und man schafft ohnehin nicht alles.“ Versicherungen kündigen, Impftermine vereinbaren, Vollmachten ausstellen, Visa beantragen, Auto abmelden. „Man ist ziemlich gestresst im Vorfeld.“ Beim Amerika-Trip, der 2015 startete, konnte Michaela Schmitt erst loslassen, als sie im Flieger Richtung New York saß.

Den zum Reisemobil umgebauten Mercedes-Lkw mit Baujahr 1980 hatte das Ehepaar nach Nordamerika verschifft. Er ist grün und trägt deshalb den Spitznamen „Frosch“. Grün war auch die Hoffnung, er möge möglichst lange durchhalten. Und er schafft die Panamericana, die von Alaska nach Feuerland führt, tatsächlich ohne größere Probleme. Am Ende sind es 19 Länder und 100.000 Kilometer in 30 Monaten. Die spannende Frage war: Wie steht die kleine Romy, die bei Reisebeginn 22 Monate alt war, so einen Trip durch?

Romy und Levi im umgebauten Mercedes-Lkw von 1980, liebevoll „Frosch“ getauft. (Foto: Schmitt)

„Sie war anfangs kein Kind, das gerne im Auto saß“, erzählt Michaela Schmitt. Letztlich gilt bei einer solchen Reise, was auch für die Fahrt nach Rimini oder Rom zu beherzigen ist: „Keine acht Stunden durchpreschen. Zwei, höchstens drei Stunden, dann Pause. Anhalten, wenn es der Kleinen zu viel ist. Keinen Stress verbreiten oder Druck ausüben.“ Und irgendwann wurde die Autoscheibe zum Kino: Lamas, Gürteltiere – in Südamerika sieht man natürlich andere Dinge als bei der Fahrt über den Brenner.

Dann die große Überraschung: Michaela Schmitt wird drei Wochen nach Reisebeginn ungeplant schwanger. Anfangs steht alles infrage. Aber die Schmitts sind überzeugt, dass sie es schaffen. Im Lkw soll das Kind jedoch nicht auf die Welt kommen. Michaela Schmitt berechnet den voraussichtlichen Geburtstermin. Der Plan sieht vor, dass die Familie zu dieser Zeit in Mexiko ist. Online beginnt die Suche nach einem vernünftigen Krankenhaus, parallel bucht das Ehepaar ein Appartement, um die ersten Wochen dort zu verbringen. Alles geht gut, der kleine Levi kommt zur Welt. Fortan ist die Familie zu viert unterwegs. „Im Rückblick muss ich sagen, dass es einfacher ist, mit Baby eine Weltreise zu machen, als mit einem Kleinkind, das schon älter ist und krabbeln oder laufen kann.“ In Südamerika hat nicht jeder Abfluss-Schacht einen Gullydeckel, es gibt streunende Hunde und viele andere Gefahren für quirlige Kinder.

Unvergessliche Erlebnisse: Begegnung mit einem Pinguin (Foto: Schmitt)

„Das geht nicht, sowas kann man mit Kindern nicht machen.“ Michaela Schmitt liegen immer wieder Menschen in den Ohren, die eine derartige Reise im Familienverbund kategorisch ausschließen. Und sie muss zugeben, dass sie früher selbst so gedacht hat. Die erste große Reise mit ihrem Mann Thorben, die 2010 und 2011 für mehre Monate nach Indien führte, sollte ursprünglich auch die letzte sein. „Danach wollten wir eine Familie gründen und mit Kindern geht so ein Trip ja nicht mehr. Dachten wir jedenfalls.“ Doch die Schmitts lernen Väter und Mütter kennen, die mit Söhnen und Töchtern durch die Welt touren.

Als Romy 2013 auf die Welt kommt, packen die Schmitts nicht gleich die Koffer und ziehen los. Sie brauchen noch Zeit, um mehr Geld anzusparen. Pro Monat sind bei der Südamerikareise letztlich mehr als 1500 Euro nötig, obwohl sich die Schmitts nicht viel gönnen. Sie verzichten auf den Komfort von Campingplätzen und stehen meist auf freiem Gelände. Restaurantbesuche zählen zu den Ausnahmen. Für die nun bevorstehende Reise auf der Seidenstraße rechnet Michaela Schmitt mit weniger als 1000 Euro pro Monat, da Asien deutlich günstiger sei. Vorträge des Ehepaars brachten Geld für die Reisekasse ein. Zudem hat sie über den ersten großen Familientrip ein Buch geschrieben.

Die größte Hürde, die es noch gibt: Romy ist ab Herbst, wenn die Asienreise starten soll, schulpflichtig. Die Schmitts wollen sie selbst unterrichten, haben entsprechende Schritte eingeleitet, um die Schulbehörde von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Der Rektor spielt nach Angaben von Michaela Schmitt jedenfalls mit. „Er hat zu mir gesagt: Die beste Schule ist das Leben.“ Und eines ist sicher: Bei einer Reise durch Asien erfahren Romy und Levi bestimmt, was das Leben alles so bereithalten kann.


„AUSREISSER Abenteuer Panamericana“
In ihrem Buch, das im Eigenverlag erschienen ist, schreibt Michaela Schmitt von ihren Erfahrungen auf der zweijährigen Tour durch Amerika. Die Kontraste könnten größer nicht sein: gewaltige Canyons und Bergmassive, kalbende Gletscher, einsame Wüsten, tropische Regenwälder oder weiße Karibikstrände. ISBN: 978-3-00-059427-4 (auch als E-Book), z. B. über www.hippie-trail.de