Stuttgarter und solche, die es regelmäßig in die City zieht, kennen die großen Warnhinweise am Stadtrand: Feinstaubalarm! Autofahrer werden gebeten, auf die Öffentlichen umzusteigen. Es ist Winter. Was aber hat die kalte Jahreszeit mit den üblen Rußpartikeln zu tun, die den Menschen Schaden zufügen?

Carsten Bamberg vom ADAC Württemberg

„Auslöser sind die sogenannten austauscharmen Wetterlagen. Sie begünstigen die Ansammlung von Schadstoffen in Bodennähe – und sie treten im Winter häufiger, andauernder und intensiver auf“, sagt Carsten Bamberg. Er ist Teamleiter Verkehr und Verkehrssicherheitsprogramme in der Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC Württemberg.

Austauscharme Wetterlagen gibt es auch mal übers Jahr. Doch im Winter verstärken einige Faktoren den Effekt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nennt fehlenden Regen, fehlenden wirksamen Wind aus günstiger Richtung oder mit geringer Geschwindigkeit sowie nächtliche Bodeninversion. Auch hat die Sonne nicht die Kraft, die Wetterlage tagsüber auszulösen.

Es ist eine einfach Rechnung: Wenn mehrere dieser Faktoren zeitgleich auftreten, kann der am Boden angesammelte Feinstaub nicht abtransportiert werden – etwa mangels Wind oder bei Trockenheit. „Salopp gesagt: Regen würde den Feinstaub wegwaschen“, erklärt ADAC-Experte Bamberg. Neuralgischer Punkt und Messstation zugleich: das Stuttgarter Neckartor. „Dies ist der einzige Ort in der Stadt, wo wir noch ein Feinstaubproblem haben“, sagt Bamberg. An allen anderen Messstationen ist die Welt mittlerweile in Ordnung.

In Großstädten trägt der Straßenverkehr einen maßgeblichen Anteil am Feinstaub. In Stuttgart liegt er bei 45 Prozent. Überraschenderweise gehen nur ca. sieben Prozent auf das Konto von Abgasen aus Pkw-Auspuffen. Brems- und Reifenabrieb sowie die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche durch den gesamten Verkehr tragen einen deutlich höheren Anteil an der Entwicklung der mikroskopisch kleinen Rußpartikel (ca. 39 Prozent).

Stuttgarts Kessellage verschärft das Problem, weil der Feinstaub nur schwer und sehr langsam abziehen kann. Er sammelt sich stattdessen auf dem Boden, wo er durch den immensen Verkehr aufgewirbelt wird – etwa am Neckartor als Dauerstaustelle.