Zwei Autos stehen hinter einem Lastwagen im Stau. Auf einmal rauscht ein orangefarbener Lkw von links ins Bild und kracht nahezu ungebremst in die beiden Fahrzeuge. Sie werden zwischen den beiden Lastern eingequetscht und völlig zerstört. Zum Glück handelt es sich bei diesem Unfall nur um einen Crash-Test des ADAC, doch der Anblick dieser Bilder (Video unten) bereitet jedem Autofahrer ein mulmiges Gefühl.

„Autofahrer sollten bei Erkennen eines Staus sofort das Warnblinklicht anschalten und den nachfolgenden Verkehr im Rückspiegel beobachten“, rät Carsten Bamberg, Verkehrsexperte beim ADAC Württemberg. Wenn es die Verkehrssituation zulässt, ist auch ein Spurwechsel auf den mittleren oder linken Fahrstreifen möglich.

2017 kamen in Baden-Württemberg nach Angaben des Innenministeriums 111 Menschen bei Lastwagen-Unfällen ums Leben, fast 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Die häufigsten Ursachen sind dieselben wie bei Pkw- oder Motorrad-Fahrern: zu hohe Geschwindigkeit und zu geringer Abstand. Doch auch Übermüdung und Ablenkung am Steuer können weitere Gründe sein, sagt Bamberg: „Monotones Fahren über mehrere Stunden lässt die Konzentration sinken.“

Ein weiteres Sicherheitsrisiko auf Autobahnen sind regelwidrig abgestellte, häufig unbeleuchtete Lkw auf Verzögerungs- oder Beschleunigungsstreifen. Das liegt zum einen am dramatischen Mangel an Stellplätzen für Lastwagen an den Autobahnen und zum anderen an der strengen Kontrolle der Lenk- und Ruhezeiten. „Die Fahrer befinden sich in der Zwickmühle, dass sie gesetzlich eine Pause einlegen müssten, es aber keine freien Parkplätze gibt“, erklärt Bamberg. In Baden-Württemberg fehlen insgesamt über 2.000 Lkw-Stellplätze.

Immerhin – für die schweren Auffahrunfälle gibt es bereits eine Lösung: Sogenannte Notbremsassistenten lösen bei einem drohenden Aufprall automatisch aus. In einem Test zeigte der ADAC, dass diese Systeme einen 80 km/h schnellen Lkw rechtzeitig stoppen können. Diese Ausstattung ist mittlerweile für alle in der EU neu zugelassenen Lkw über acht Tonnen Pflicht. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass Lastwagen-Fahrer den Notbremsassistenten dauerhaft ausschalten.

„Sie sollten sich grundsätzlich nicht abschalten lassen oder nach manueller Deaktivierung selbstständig wieder zuschalten“, fordert Verkehrsexperte Bamberg. Damit es auf der Straße nicht wie in dem Crash-Test endet.