Wer Trial fahren möchte, hat in Deutschland sehr viele Möglichkeiten und fast jedes Wochenende die Qual der Wahl. Warum also sich noch zusätzlich auf dem Weg machen, um im Ausland zu fahren? Die Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Es ist eine Erfahrung, die man machen sollte. Schon allein das internationale Fahrerlager-Flair ist ganz anders. Beispielsweise in Pietramurata lag das Fahrerlager direkt an der Motocross-Strecke, die auch während der EM in Betrieb war, sodass alles eingestaubt war. Strom gab es nur tagsüber während der Veranstaltung und manchmal noch bis ca. 22 Uhr – und als die Siegerehrung am zweiten Tag vorbei war, war auch der Strom weg.

Die Trial EM wurde in vier Läufen ausgetragen: in Pietramurata und Monza in Italien, in Ancelle (Frankreich) und in Brezova (Tschechien). Organisatorisch war für die Fahrer und ihre Betreuer manches ungewohnt. So zum Beispiel das Anmeldungsprocedere. Für uns, die wir württembergische Veranstaltungen mit genau eingehaltenen Zeitplänen und optimaler Vorbereitung gewohnt sind, war es dennoch gewöhnungsbedürftig, dass der Truck, der das Büro der Veranstaltung war, in Pietramurata erst kurz vor knapp auf das Gelände fuhr.

Die Zeitpläne und das Nonstop-Fahren waren ebenfalls neu für die Trialer. Anmeldung – Technische Abnahme – Training in der Practice-Area – Sektionsbesichtigung – alles hatte einen Zeitrahmen und spezielle Regeln. So durften die Fahrer und ihre Minder nur während der Sektionsbesichtigungszeit die Sektionen zu Fuß betreten und auskundschaften. Während der Veranstaltung durfte nur noch von außen geschaut werden, es galt also, sich den Sektionsweg zu verinnerlichen und die Hindernisse genau einzuprägen. Auch das Nonstop-Fahren ist in Deutschland nicht die Regel und vor allem in den höheren Klassen durchaus mit Risiko verbunden. Plötzlich durften die Fahrer nicht mehr vor einem Hindernis stehen bleiben und sich kurz sammeln und positionieren, sondern das Motorrad musste immer in Bewegung sein. Die Punkterichter waren zum Teil rigoros.

Auch die Sektionsbedingungen waren bei jeder EM anders. Rolliges Gestein und Felsen in Pietramurata, die ehemalige Steilwandkurve und Sektionen entlang der Rennstrecke in Monza, Steinfeld über Steinfeld in Ancelle und Waldboden, Wurzeln und Felsen in Brezova – so konnte jeder Fahrer seine vielseitigen Fähigkeiten beweisen.

Gingen in der Klasse „Women International“ an den Start (v.l.): Linda Weber, Eva Spielvogel und Maren Will.

Trotz der ungewohnten Rahmenbedingungen waren die württembergischen Fahrer sehr erfolgreich. In der Klasse „Women international“ starteten die Fahrerinnen Eva Spielvogel, Linda Weber und Maren Will. In ihrer Klasse gibt es jeweils nur eine Tageswertung. Gleich bei ihrer ersten EM konnte Linda Weber das Podest als Dritte besteigen, Eva Spielvogel wurde Fünfte, Maren Will Siebte. Bei den weiteren Veranstaltungen konnte Linda Weber noch zwei weitere Male den dritten Platz erreichen.

In der Klasse „Youth international“, hier wird ebenfalls nur eine Tageswertung gefahren, sammelten Niklas Holz und Julius Kessler erste EM-Erfahrungen.

Ein Podestplatz-Kandidat war Jonathan Heidel in der Championship-Klasse „Youth“ (bis 16 Jahre). Zweimal wurde er Dritter, hatte aber in Ancelle technische Probleme, die ihn etliche Punkte kosteten. In der Gesamtwertung verpasste er den dritten Platz knapp und wurde Vierter. Jonas Schiele fuhr mit einer sehr konstanten Leistung in allen vier Veranstaltungen, während Moritz Voigt nur an zwei teilnehmen konnte.

Florian Ruedi hatte in der Klasse „Junior“ mit Punktetrichter-Entscheidungen zu kämpfen, die nicht immer nachvollziehbar waren. Mit seinen Platzierungen schaffte er es aber in der Gesamtwertung auf den 11. Platz.