Häufig kommen Rettungsdienste oder Feuerwehr auf Autobahnen nicht schnell genug zur Unfallstelle. Denn Auto- und Lkw-Fahrer machen zu selten den Weg frei. Baden-Württembergs Polizei setzt daher in Zusammenarbeit mit dem ADAC Württemberg und dem Fahrlehrerverband Baden-Württemberg auf mehr Aufklärung. Schon seit Februar läuft eine Kampagne mit an Autobahnbrücken angebrachten Bannern, die die Rettungsgasse schematisch darstellen.

Seit Ende letzten Jahres müssen Rettungsgassen-Sünder zudem mit höheren Strafen rechnen. Bei Nichtbeachtung drohen 200 Euro Bußgeld und zwei Punkte in Flensburg. Behinderung, Gefährdung oder Sachbeschädigung haben sogar bis zu 320 Euro sowie zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot zur Folge.

Die richtige Bildung der Rettungsgasse ist relativ simpel. Kurz erklärt: Wer sich auf dem linken Fahrstreifen befindet, weicht nach links aus. Wer auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs ist, fährt nach rechts. Das Video unten zeigt genau wie es geht:

In einem Interview erklärt Timon Kuntz, Verkehrsreferent im Innenministerium Baden-Württemberg, was sich aus Sicht der Polizei bei der Rettungsgasse schon verbessert hat.

Seit Februar läuft die Kampagne zur „Rettungsgasse – rettet Leben”, wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Wir können bisher ein weitgehend positives Zwischenfazit ziehen, denn wir befinden uns mit der Rettungsgasse auf einem guten Weg. Das Thema ist mittlerweile stark im Fokus der Öffentlichkeit. Aus unserer Sicht ist das eines der wichtigsten Ziele der Kampagne.

Wie kontrollieren Sie die Bildung der Rettungsgasse?
Wir sind auf den Autobahnen zum Beispiel mit Fahrzeugen unterwegs, die Videoaufnahmen anfertigen. Die konsequente Sanktionierung der Verkehrsteilnehmer, die keine erforderliche Rettungsgasse bilden, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Maßnahmen. Seit Kampagnenstart haben wir rund 600 Verstöße geahndet. Zuvor waren es in sechs Jahren nur 28.

"Niemand hat einen persönlichen Vorteil davon, wenn er die Rettungsgasse dicht macht", sagt Timon Kuntz, Verkehrsreferent im Innenministerium Baden-Württemberg.

„Niemand hat einen persönlichen Vorteil davon, wenn er die Rettungsgasse dicht macht“, sagt Timon Kuntz, Verkehrsreferent im Innenministerium Baden-Württemberg.

 

Warum halten viele den Weg nicht frei?
Meistens ist es Gedankenlosigkeit und bei Gaffern vor allem Neugierde. Gerade ausländische Verkehrsteilnehmer denken oft nicht daran, weil sie in ihrem Land die Pflicht zur Rettungsgasse gar nicht haben. Letztlich muss man sich bewusst machen, dass niemand einen persönlichen Vorteil davon hat, wenn er im Stau drängelt oder die Rettungsgasse dicht macht.

Findet bei den Autofahrern mittlerweile ein Umdenken statt?
Ich habe schon das Gefühl, dass es mittlerweile eine große Akzeptanz für die Rettungsgasse unter den meisten Verkehrsteilnehmern gibt. Häufig ist es ein einfacher Nachahmungseffekt: Fahren ein, zwei Autos zur Seite und machen den Weg frei, dann folgen die anderen dem Beispiel.

Wie geht es weiter?
Unsere Konzeption ist auf Dauer ausgelegt. Wir müssen weiter versuchen, auf verschiedenen Kanälen und mit unterschiedlichen Mitteln diese Thematik fest in den Köpfen der Menschen zu verankern. Wenn das gelingen sollte, dann haben wir unser Ziel erreicht. Bis dahin gilt es weiter kräftig aufzuklären und jeden zu sanktionieren, der sich nicht daran hält. Mein persönlicher Rat: „Machen Sie Platz und ermöglichen Sie die schnelle Hilfe!“