Das Dauerthema Fahrverbote sorgt besonders im Großraum Stuttgart für viele Emotionen. Seit 19. Juli 2017 prüft nun das Verwaltungsgericht Stuttgart eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen den neuen Luftreinhalteplan. Das Urteil wird am 28. Juli erwartet. Die Landesregierung soll per Gerichtsurteil gezwungen werden, massiver gegen die Luftverschmutzung in Stuttgart vorzugehen. Seit sieben Jahren würde der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten, nicht selten um das Doppelte. Während die Deutsche Umwelthilfe allein in Fahrverboten für Dieselautos ein wirksames Mittel gegen die Luftverschmutzung sieht, versucht das Land, Fahrverbote zu verhindern und setzt auf das Thema Nachrüstung für Diesel. Viel Gesprächsstoff also. Wir haben mit Volker Zahn, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg, gesprochen und ihn zur aktuellen Situation sowie weiteren sinnvollen Maßnahmen zur Schadstoff-Reduzierung befragt.

Volker Zahn, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg

Volker Zahn, Abteilungsleiter Verkehr und
Umwelt beim ADAC Württemberg

Wie bewertet der ADAC Württemberg ein mögliches Fahrverbot?
Volker Zahn: Das Bedürfnis in einer wirtschaftsstarken Metropole nach persönlicher Mobilität ist groß und absolut nachvollziehbar. Aber die Einhaltung der Grenzwerte ist ebenso nötig, um den Gesundheits- und Umweltschutz zu gewährleisten. Dafür sind Anstrengungen auf allen Ebenen nötig.

Welche Rolle spielt beispielsweise der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs bei der Schadstoffreduktion?
Volker Zahn: Das ist ein wichtiger Punkt. Natürlich sind eine gute Taktung und ein attraktives Tarifsystem wünschenswert. Aber das geht nur, wenn man die Infrastruktur massiv ausbaut und deutlich verbessert. Es mangelt eindeutig an Leistungsfähigkeit. Wir brauchen mehr Kapazitäten in Bussen und Bahnen, ausreichend Park-and-Ride-Plätze. An manchen Stellen wird man nicht umhin kommen, Bahnsteige zu verlängern, damit genügend Waggons angehängt werden können. Nötig sind clevere Konzepte, wie man die Menschen vom Rand der Stadt in die City bringt.

Muss man auch im Straßenverkehr neue Wege gehen?
Volker Zahn: Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stadtplaner müssen über neue Routen nachdenken, damit der Verkehr besser fließt und es weniger Staus und Wartezeiten an Kreuzungen und Ampeln gibt. Eine ADAC Studie hat deutlich gezeigt, dass grüne Wellen den Schadstoff-Ausstoß reduzieren. Zudem bräuchte man ein ausgeklügeltes Baustellen-Management, um den Verkehrsfluss entsprechend zu leiten.

Bei der Diskussion hat man stets das Gefühl, die Sache soll nur auf dem Rücken der Bürger ausgetragen werden…
Volker Zahn: Es wäre wünschenswert, dass Firmen und öffentliche Institutionen ihren Fuhrpark überdenken. Gerade in der Innenstadt brauchen wir Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Da denkt man natürlich an erster Stelle an die Fuhrparks von Stadt und Land. Es gibt erste zaghafte Ansätze, aber wenn die Stadt sagt, sie schafft 44 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben an, aber im Rahmen der normalen Erneuerung, also über Jahre hinweg, dann reicht das nicht. Man muss auch an Busse, Carsharing-Autos, Taxis, Fahrschulen, Paket- und Kurierdienste denken. Es gibt ein paar Firmen, die gute Ideen verfolgen, ihre Mitarbeiter mit dem Shuttlebus vom Bahnhof abholen, damit es nicht am berühmten letzten Kilometer scheitert.

Ist der Beratungsbedarf im Moment so hoch wie er scheint?
Volker Zahn: Beratung und Aufklärung über die Grenzen hinweg sind ganz wichtig. Stuttgart kann das Problem nicht alleine lösen. Auch im Umland muss eine Veränderung im Denken und Handeln stattfinden. Deswegen ist es eine gute Sache, wenn Stadtverwaltungen im Umland Beratungsstellen in Sachen Mobilität einrichten.

Das vollständige Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe von DeinsMeinsUnsers, das kostenfrei in allen württembergischen ADAC Geschäftsstellen erhältlich ist.