Vor dem Start der Ferien- und Reisezeit waren die württembergischen ADAC Stauberater zu Besuch auf der ADAC Luftrettungsstation „Christoph 22“ in Ulm. Stauberater Joachim Baumhauer schildert in einem Gastbeitrag seine Eindrücke:

Auch außerhalb der Saison sind die Stauberater des ADAC Württemberg aktiv und nutzen die freie Zeit, um den Kollegen der ADAC Luftrettung am Bundeswehrkrankenhaus (BWK) Ulm mal einen Besuch abzustatten. Über den Stationsleiter und ADAC Hubschrauberpiloten Marc Rothenhäusler wurde sehr zu meiner Freude ganz unkompliziert ein Termin vereinbart.

An einem sonnigen Samstagnachmittag im April ging es also los in Richtung BWK. Als dann auch der letzte am vereinbarten Treffpunkt eingetroffen war und wir uns vom Parkplatz in Richtung Hangar aufmachten, hob just in dem Moment der Rettungshubschrauber ab zu einem Einsatz. So ein Pech, aber damit mussten wir rechnen.

Da wir darauf vorbereitet waren, stellten wir uns auf eine längere Wartezeit ein und wollten uns aufmachen zur Cafeteria ins BWK als dann plötzlich das Motorengeräusch des „Christoph 22“ wieder lauter wurde. Zur unserer Freude wurde der Einsatz abgeblasen und er landete wieder auf dem dafür vorgesehen Landeplatz direkt vor unseren Augen. So manche Haarwurzel der Stauberater hielt dem sogenannten Downwash, also der starke Wind, der bei Start und Landung erzeugt wird, nicht stand. Die Windgeschwindigkeit an der Kufe des Hubschraubers beträgt immerhin stolze 120 km/h, das ist Orkangeschwindigkeit und in einer Entfernung von 10-20 m sind es immer noch 70-80km/h, das entspricht Windstärke 8, also nichts für Toupet-Träger.

Wie vielleicht bekannt, setzt sich die Crew zusammen aus den Piloten, die wie der Hubschrauber selbst vom ADAC gestellt werden und den Medizinern, die das BWK zur Verfügung stellt. Letzteres bildet ein Team aus Rettungsassistent/Notfallsanitäter und Notarzt, wobei der Erstere auch als Co-Pilot fungiert. Die Einsatzzeiten sind grundsätzlich von Sonnenaufgang bis -untergang, was in den Sommermonaten doch eine lange Schicht sein kann.

Kurz nach der Landung, nachdem der Heli wieder betankt wurde und die Nacharbeiten beendet waren, wurde das Personal des „Christoph 22“ sogleich von uns mit Fragen gelöchert. Hierbei erfuhren wir unter anderem, dass der Rettungshubschrauber zu unserer Verwunderung nicht vollgetankt wird, was auch den Einsatzradius von 70 km begründet. Denn jedes Kilogramm zu viel bedeutet weniger Reichweite. Also beschränkt sich die Besatzung in der Regel auch „nur“ auf 3 Personen plus Patient und in Einzelfällen auf Angehörige des Verletzten, wie zum Beispiel bei Kindern.

Pilot Marc Rothenhäusler erklärt den Rettungshubschrauber.

Pilot Marc Rothenhäusler (links) erklärt den Rettungshubschrauber.

Für Rettungshubschrauber gibt es eine sogenannte „Allgemeinerlaubnis“, die dem Piloten das Recht gibt, im Rahmen des öffentlichen Interesses bei Patienten überall zu landen, auch auf Privatgrundstücken. Bei „Christoph 22“ handelt es um das neue hochmoderne Modell H145 aus dem Hause Airbus, das das Vorgängermodell EC135 ablöst. Letzteres wurde 2003, nachdem jahrelang die gute alte Bell UH-1D im Einsatz war, in der Luftrettung eingesetzt. Das gleiche Modell, natürlich mit anderer Lackierung und Innenausstattung, darf auch die Hubschrauberstaffel der Bundespolizei ihr Eigen nennen. 2017 flog das Team des „Christoph 22“ im Schnitt vier Einsätze am Tag, was pro Jahr 1.629 Alarmierungen bedeutet. „Retten und Bergen“ heißt das Motto und es versteht sich von selbst, dass hier ein Höchstmaß an fliegerischem Können Voraussetzung ist.

Da wir Stauberater hauptsächlich auf den Autobahnen Württembergs unterwegs sind, haben wir auch schon mit der Landung von Rettungshubschraubern auf der Fahrbahn zu tun gehabt. Hierbei konnten wir in Erfahrung bringen, dass es auch nützlich sein kann, wenn eine Person als Einweiser fungiert. Wenngleich der Pilot das letzte Wort bei der Landung hat.

Nach der genauen Inspektion des Helis, sowohl innen als auch außen und dem ausgiebigen Probesitzen, war es insgesamt gesehen ein sehr inforeicher Mittag der ursprünglich mit ca. einer Stunde kalkuliert war und sich letztendlich mit drei Stunden in die Länge zog, was nur bedeuteten kann, dass es allen viel Spaß gemacht hat. An dieser Stelle mein großer Dank an das Team, dass an diesem Tag Dienst hatte und sich so ausgiebig Zeit genommen hat und besonders an den Stationsleiter Marc Rothenhäusler für die unkomplizierte Abwicklung.

Es heißt eigentlich „zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Wir Stauberater machen es anders herum, wir hatten zuerst das Vergnügen und es ging im Anschluss an die Arbeit, noch den Dienstplan für die Saison 2018 zu besprechen, die am 9. Mai startete und am 7. Oktober endet. Wer weiß, vielleicht kommt es ja zu einem Rendezvous der Stauberater mit der Luftrettung, diesmal direkt auf der Autobahn?

Die Stauberater, die im Auftrag des ADAC Württemberg unterwegs sind:

Joachim Baumhauer, Dieter Mäurer, Bernd Mikula, Uwe Richarz

Bewährtes Stauberater-Team (v.l.): Bernd Mikula (Hochdorf/Kreis Esslingen), Joachim Baumhauer (Kuchen), Uwe Richarz (Zaberfeld) und Dieter Mäurer (Stuttgart). (Foto: Aurelius Maier)

Bewährtes Stauberater-Team (v.l.): Bernd Mikula (Hochdorf/Kreis Esslingen), Joachim Baumhauer (Kuchen), Uwe Richarz (Zaberfeld) und Dieter Mäurer (Stuttgart). (Foto: Aurelius Maier)